Februar 4, 2020

Eine Nachricht an Nummer eins

Eine Nachricht an Nummer eins

So viele Jahre hast du mich begleitet, warst an meiner Seite. Bist mit mir durch die schwersten Zeiten gegangen. Hast mich gefangen, und dich fangen lassen von mir - bei jedem noch so tiefen Fall. Heute schauen wir uns nicht mal mehr an, die Freundschaft auf Facebook gekündigt und doch, 's geht mir nah.

Es fing an als wir noch verhältnismäßig klein waren. Jungs, verrückt, dumme Ideen. Aber irgendwie auch lustig, ein bisschen listig. Daher passte es. Haben zusammen unseren Unfug angestellt. War einfach eine geile Zeit. Stundenlang im Schnee rumgelaufen, "rumgespackt", Mist gebaut, das erste Bier mit dir. Gleiche Freunde, gleiche Feinde. Es war unbeschwert. Keine Frauen, dafür noch viel zu jung. Erst mal stand die Freude im Vordergrund.

Meinen ersten Fisch habe ich mit dir geangelt und ausgenommen. Den ersten Zug an einer Zigarette in deinem Beisein. Das erste Bier, die erste Shisha. Alles Dinge denen ich heute abgesagt hab, zu ungesund. Dann die erste Freundin bzw. Liebschaft, ihre Freundin war deine Freundin. Viel gelacht, viel geweint. Versucht zu vergessen, versucht zu verbessern. Wenn ich aufzählen könnte wie viele Stunden wir miteinander verbracht haben, dann würde ich es tun und hier niderschreiben. Aber es sind einfach viel zu viele Erinnerungen.

Niemand konnte uns etwas antun, wir waren immer füreinander da. Mal weniger, mal mehr. Aber wir fanden immer zusammen.

Deine Art Dinge immer lockerer zu nehmen als sie es waren, machte dich einerseits so unberechenbar aber zeitgleich auch so vorbildlich. Für mich irgendwie. Weil ich mir immer schon viel zu viele Gedanken über alles mögliche gemacht habe.

Ich habe mir bis zum letzten Tag niemals vorstellen können, das dieser Freundschaft irgendwas anhaben könnte. Doch dann trat sie zwischen uns. Und eigentlich tat sie es nicht mal wirklich. Es war einfach nur der Umstand das du, indirekt du, Zeit mit ihr verbringen wolltest - lieber als mit mir - obwohl du und jeder der dabei war wusste wie ich sehr ich sie verabscheute.
Heute würde ich sicherlich nicht mehr handeln aber damals war man eben noch unerfahren.

Es wäre alles nicht so schlimm gewesen, sag ich mir jetzt und sagte ich mir damals. Ich weiß nicht ob es Sinn gemacht hätte mir offen und ehrlich die Wahrheit zu sagen, anstatt mich ein halbes Jahr lang zu belügen - bis irgendwann dann doch die Wahrheit herauskam.

Denn die Wahrheit findet immer einen Weg.

Nun ist das ganze schon sehr lange her. Man hat sich nach und nach aus den Augen verloren - bis irgendwann der Kontakt gänzlich und somit auch unsere Freundschaft starb.

Es ist schade man. Ich hatte niemanden. Ich war dann ganz allein. Weil mit dir für mich auch alle gehen mussten die mit dabei waren und das waren damals eben alle die mir nah waren. Ich brauchte echt lang um wieder auf die Beine zu finden. Und jetzt wünschte ich mir, obwohl es mir gut geht und ich genug neue Freunde habe, wieder die Zeit von damals zurück. Ich verabscheue nach wie vor einiges was da passiert ist, aber nicht mehr deine Seite. Im Gegenteil, ich verzeih dir. Nur leider werde ich das niemals aussprechen können und vermutlich auch niemals ausleben können.
Ich wünsche dir alles gute auf deiner Reise.